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Trauer um ehemaligen Pressesprecher Kurt Raum

Exklusivinterview mit „Mr. Airport“

Kurt Raum mit der ersten Ausgabe des Sommerflugplans 1955

"Mr. Airport“ Kurt Raum, Jahrgang 1937, war langjähriger Pressesprecher des Flughafens und bereicherte mit seinen umfangreichen Kenntnissen bis Frühjahr 2017 unsere Gästeführungen. Bis zuletzt war er dem Airport Nürnberg sehr verbunden. Nun ist der ehemalige Flughafenpressesprecher im Alter von 81 Jahren am 14. Januar 2019 verstorben.

Wir werden unserem "Mr. Airport" ein ehrendes Andenken bewahren und ihn nicht vergessen.

Der AIRPORTreport (Ausgabe Sommer 2015) unterhielt sich 2015 mit ihm über bewegende Momente aus der Flughafengeschichte. Das daraus entstandene Interview lesen Sie hier:

Kurt Raum erinnerte sich –

„Wir haben auch Unmögliches möglich gemacht“

Herr Raum, als der Flughafen 1955 öffnete, waren Sie 18 Jahre alt. Was sind Ihre Erinnerungen an diese Zeit?

Die Anfänge waren bescheiden mit gerade mal vier Flügen am Tag und 30.000 Passagieren im Jahr. Dafür konnte man die Faszination Luftfahrt hautnah erleben: Ein Lokal mit Gartenwirtschaft schloss direkt ans Vorfeld an. Wenn die Flugzeuge ihre Motoren starteten, wehte es mitunter die Sonnenschirme um.

Mit dem neuen Flughafen wurde Nürnberg an die „Weltluftfahrt“ angeschlossen, hieß es damals in der Presse. Was war die erste Auslandsverbindung?

Mit der KLM ging es nach Amsterdam, kurz darauf kam auch Paris auf den Flugplan. Eines der exotischsten Ziele wurde viele Jahre später Recife in Brasilien.

Wie verlief die Verkehrsentwicklung in den frühen Jahrzehnten?

Zunächst stand der Linienverkehr im Fokus, denn Flugreisen waren für den Normalverbraucher kaum erschwinglich. In den 60er, 70er und 80er Jahren eroberte sich der Touristikverkehr einen festen Platz im Angebot. Und auch die Rolle des Frachtverkehrs wuchs: Zeitweise nutzte die DHL Nürnberg als Drehscheibe.

Auch airberlin, zweitgrößte Fluggesellschaft Deutschlands, erkannte Ende der 1990er Jahre Nürnbergs zentrale Lage und die gute Abfertigungsqualität als Chance für den Aufbau eines Drehkreuzes mit teilweise mehr als 1 Million Umsteigepassagieren.

Ja, das stellte uns vor große Aufgaben. Doch die Kolleginnen und Kollegen haben auch Unmögliches möglich gemacht und die Herausforderungen mit hemdsärmeligen Lösungen bewerkstelligt: Da der Wartebereich nicht ausreichend Platz bot, wurde zunächst ein Zelt für die Transferpassagiere aufgebaut. Die Provisorien wichen später einem neuen Terminal und einer hochmodernen Gepäcksortieranlage.

Was waren für Sie die bewegendsten Momente am Airport?

Dazu gehört gewiss die Begrüßung des ersten Passagiers, der 1989 aus der DDR kommend über Ungarn nach Nürnberg reiste. PanAm spendierte ihm einen kostenlosen Weiterflug nach Westberlin. Der Mann war überglücklich über seine plötzlich erlangte Freiheit.

Zu den Kunden eines internationalen Flughafens gehören natürlich auch die VIPs. Wem durften Sie in Ihrer aktiven Zeit die Hand schütteln?

Im Gedächtnis geblieben sind mir die Besuche der Rolling Stones, der Band U2 und von Elton John, aber auch von Politikern wie dem früheren französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac. Sehr pressescheu zeigte sich der Magier David Copperfield: Ich verhalf ihm unerkannt aus dem Terminal zu seiner Limousine zu gelangen, wofür er sich mit einer Freikarte für seine Show kenntlich zeigen wollte. Nie vergessen werde ich den Besuch der englischen Prinzessin von Kent, die bei uns vom Flugzeug in einen Hubschrauber umsteigen sollte. Sie trug einen dermaßen ausladenden Hut, dass sie mit diesem kaum durch die Tür des Helikopters gekommen wäre. Kurzfristig mussten wir daher ein alternatives Transportmittel für den königlichen Gast finden.