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Historische Momente

Als Nürnberg für drei Wochen zum internationalen Großflughafen wurde


Als im August 1969 die einzige Startbahn des Flughafens München-Riem für Instandsetzungsarbeiten drei Wochen lang gesperrt werden, diente Nürnberg – neben Stuttgart und dem Militärflugplatz Neubiberg – als Ausweichflughafen.

Außer der Lufthansa entschieden sich Aer Lingus, Alitalia, Iberia, JAT, Malev, Swissair, Tunisair und United Arab Airlines für einen temporären Umzug nach Franken, und so tauchten plötzlich „exotische“ Ziele wie Daressalam, Bagdad, Teheran, Dharan und Beirut im Nürnberger Flugplan auf. Auch eine Direktverbindung über Hamburg nach New York stand im Programm. Insgesamt sollten rund 60 Prozent des Münchner Verkehrs ab dem Nürnberger Flughafen abgewickelt werden. Auf Nürnberg kam damit eine wahre Herkulesaufgabe zu, musste doch das etwa dreifache des regulären Flugbetriebs bewältigt werden. Dank akribischer Vorplanung und reichlich Improvisationsgeschick konnte diese Herausforderung bravourös gemeistert werden.

Bereits zu Jahresbeginn waren der Bürotrakt östlich des Towers um zwei Etagen aufgestockt, Parkplätze ausgebaut und das Vorfeld um vier Abstellpositionen auf insgesamt zwölf erweitert worden. Für den dreiwöchigen Hochbetrieb wurde der Ankunftsbereich in die Feuerwehrhalle verlegt, das eigentliche Terminal (die heutige Abflughalle 1) diente ausschließlich den abfliegenden Linienpassagieren. Die Abfertigung für den Charterverkehr erfolgte in einem Flugzeughangar wobei hier eine örtliche Brauerei das Mobiliar zu Verfügung stellte. Wechselstuben und Büros der Autovermieter wurden in Garagen auf dem Betriebshof eingerichtet. Neben zahlreichen Abfertigungsgerätschaften, die mit zwei Sonderzügen von München nach Nürnberg gebracht worden waren, unterstützten auch 220 Münchner Angestellte ihre Nürnberger Kollegen.

Als am 31. August 1969 der dreiwöchige Ausnahmezustand ohne nennenswerte Zwischenfälle zu Ende ging, hatte der Nürnberger Flughafen seine Leistungsfähigkeit bewiesen und Flughafengeschäftsführer mit Dr. Müller-Gutermann mit seiner Prognose „Wir werden das Kind schon schaukeln“ Recht behalten.

Die Jumbos kommen


Zu Beginn der 1970er Jahre revolutionierte Boeing mit der 747 die Passagierluftfahrt. Gegenüber den damals gängigen Langstreckenflugzeugen Boeing 707 und Douglas DC-8 bot der „Jumbo-Jet“, wie das Flugzeug schon bald genannt wurde, eine Verdoppelung der Passagierkapazität und den Fluggästen ein bislang nicht gekanntes Raumgefühl. So gab es für die Passagiere der ersten Klasse eine Lounge mit Bar im Oberdeck. Schon allein aus Prestigegründen bestellten praktisch alle großen nationalen Fluglinien den Riesenvogel.

Die deutsche Lufthansa erhielt die erste von drei Maschinen der Version 747-130 im März 1970 um sie auf den aufkommensstärksten Langstreckenrouten einzusetzen.

Nürnberg wurde zu dieser Zeit häufig als Trainingsflugplatz genutzt und so kam der Flieger mit dem charakteristischen „Buckel“ im Frühjahr 1970 immer mal wieder vorbei.

Offiziell wurde die Boeing 747 der Nürnberger Öffentlichkeit aber erst am 12. Juli 1970 vorgestellt.

Das groß angekündigte Ereignis lockte bei bestem Sommerwetter die Besucher in Scharen zum Flughafen. Bereits ab dem Mittag war das Flughafenrestaurant komplett belegt und die Polizei hatte alle Hände voll zu tun, die Fahrzeugkolonnen in geordnete Bahnen zu lenken.

Als am späten Nachmittag der Riesenvogel aus Stuttgart kommend zur Landung ansetzte, waren rund 30.000 Zuschauer am Flughafen oder in den angrenzenden Wiesen und Feldern dabei und sorgten für eine wahre Volksfeststimmung.

Etwa 350 geladene Gäste aus Wirtschaft und Politik, darunter der Nürnberger Oberbürgermeister Dr. Urschlechter sowie Reisefachleute aus der Region hatten Gelegenheit, bei einem etwa 30-minütigen Rundflug über Südbayern das neue Fluggefühl hautnah zu erleben.

Am Abend flog der Jumbo Jet dann zur Heimatbasis Frankfurt weiter. 

Concorde


"Ein sagenhaftes Erlebnis, das ich nie vergessen werde", schwärmt Kurt Pallin noch heute von jenem denkwürdigen 19. Juli 1986, als die legendäre Concorde erstmals am internationalen Airport Nürnberg landete.

Als damaliger Direktor der Amtlichen Bayerischen Reisebüros (ABR) in Nürnberg hatte der heute 79-Jährige den Besuch des fliegenden Technikwunders organisiert.

Die Fliegerei hatte den Weltenbummler, der für das Reisebüro seiner Frau noch heute Kulturreisen organisiert, schon immer interessiert: "Durch meinen Beruf hatte ich ja die Gelegenheit, jedes neu auf den Markt kommende Flugzeug zu erleben." Darunter waren viele beeindruckende Maschinen. Das alles war aber nichts gegen die Concorde, der mit über zweifacher Schallgeschwindigkeit reisende Rekordhalterin. Beim Besuch einer Delegation der französischen Fluglinie Air France fädelte Pallin die Sache schließlich ein. Flughafengeschäftsführung und Regierung machten den Weg für alle nötigen Genehmigungen frei.

Und dann war es soweit: Nachdem eine 100-köpfige Nürnberger Reisegruppe drei schöne Tage in Paris verlebt hatte, stiegen sie in den pfeilförmigen Vogel, um in Richtung Nürnberg zu starten. Pallins Eindruck: "Sehr komfortabel, aber eng." Die Concorde war nur in gebückter Haltung zu durchschreiten.

Bei der Landung in Nürnberg säumten 32.000 Schaulustige das Rollfeld. Blitzlichter flackerten auf, die Leute klatschten spontan Beifall. Mit einer anderen Reisegruppe an Bord hob die Flugzeuglegende dann mit ohrenbetäubendem Lärm in einer Gischt aus aufgewirbeltem Regen wieder ab. "Das ging so schnell, dass wir alle ein bisschen enttäuscht waren", erinnert sich Pallin. Doch nach einem großen Bogen steuerte der Wundervogel noch einmal den Airport Nürnberg an. In niedriger Flughöhe donnerte er an den begeisterten Zaungästen vorbei.

"Beschwerden wegen des Lärms", sagt Pallin schmunzelnd, "gab es übrigens kaum. Alle waren stolz darauf, dass es gelungen war, die Concorde zu uns nach Nürnberg zu holen."

Mit der U-Bahn zum Airport


Seit über 20 Jahren verbindet die U-Bahn-Linie U2 den Flughafen mit dem Hauptbahnhof. Die Fahrzeit beträgt gerade einmal zwölf Minuten.

Dieses komfortable ÖPNV-Angebot kommt nicht nur rund 4,1 Millionen Fluggästen im Jahr sowie den 4.000 Beschäftigten am Standort Flughafen zugute, sondern auch Anliegern durch die Entlastung der Zufahrtsstraßen in den angrenzenden Stadtteilen. Bisher nutzten rund 30 Millionen Fahrgäste die seit 2010 komplett automatisierte und damit fahrerlose U2 zum Airport Nürnberg.

Die Bauarbeiten am U-Bahnhof begannen am 2. September 1996 und wurden in offener Bauweise ausgeführt, wobei der Zugang zu den Abflughallen durch provisorische Brücken aufrechterhalten werden konnte. Der Haltepunkt Flughafen reihte sich mit seiner Eröffnung am 27. November 1999 als 39. U-Bahnhof ins U-Bahn-Netz ein. Vom Endhaltepunkt Flughafen bis zur nächsten Station Ziegelstein sind es 2,4 Kilometer. Das ist der größte Abstand zwischen zwei Haltepunkten im gesamten Nürnberger U-Bahn-Netz.

Der Bahnhof selbst ist 230 Meter lang und 15 Meter breit. 5.000 Quadratmeter Glasdachfläche sorgen für ausreichend Tageslichteinfall. Im Zuge der Umbenennung des Flughafens in Albrecht Dürer Airport Nürnberg wurde die Gestaltung des Bahnhofs 2016 in Abstimmung mit dem Architekten Grabow leicht modifiziert: Wer heute mit der U2 am Airport ankommt, erblickt noch vor dem Verlassen der Station einige von Albrecht Dürers wichtigsten Werken. 

Lufthansa-Flaggschiff Airbus A 380: Überflug am Airport Nürnberg


Der damals neue, doppelstöckige Riesen-Airbus A 380 der Lufthansa erwies dem Airport Nürnberg am 3. Juni 2010 die Ehre und absolvierte einen Überflug in niedriger Höhe. Flugzeug-Enthusiasten verfolgten dieses einmalige Ereignis von der Zuschauerterrasse aus.

Eine Landung des Riesenvogels war in Nürnberg leider nicht möglich, da die Start- und Landebahn wegen Sanierungsarbeit von 2.700 auf 2.300 Meter verkürzt war.

Aber auch der Überflug war ein atemberaubendes Ereignis: Im Rahmen des „Linetrainings“ auf dem Flug von Frankfurt nach Berlin-Tegel verließ der Airbus A 380 seine Reiseflughöhe und passierte die Start- und Landebahn des Airport Nürnberg in geringer Höhe. Mit dem „Linetraining“ absolvierten die Lufthansa-Piloten auf dem neuen Flaggschiff Trainingseinheiten, die dem Erwerb der Fluglizenz für diesen Flugzeugtyp dienten.