Historische Momente

Der Traum vom Fliegen: Auf Spurensuche mit der VAG

Der Airport Nürnberg hat eine wechselvolle Geschichte. Klaus Dietrich (70), Sozialamtsrat a.D. erarbeitete im Rahmen der Aktion „Nürnberg – intelligent mobil“ des Umweltreferats eine VAG-Bustour zu den Schauplätzen der Flughafengeschichte.

Bereits Ende 1787 nahmen begeisterte Zuschauer an der ersten „ersten Luftfahrt in Nürnberg“ teil: Jean Pierre Blanchard startete mit einem Wasserstoffgasballon vom Maxfeld. Personenverkehr per Luftschiff gab es erstmals 1908 zu bestaunen: Da landete der 136 Meter lange „Zeppelin III“ auf einer Wiese vor dem Toren der Stadt, dem heutigen Zeppelinfeld.


Station 1 ist der frühere Flugplatz Atzenhof, zu erreichen ab der Bushaltestelle Fürth „Rathaus“ mit der Linie 171 (Richtung Eigenes Heim/Vach) bis „Atzenhof Flughafen“. Auf dem Hochplateau zwischen Unterfarrnbach und Atzenhof hatte das Deutsche Kaiserliche Heer 1914 eine Fliegerstation für militärische Zwecke errichtet. Dieser Flughafen, ursprünglich nur eine 500 mal 500 Meter große Wiese mit einer Halle und Zelten fürs Personal, wurde 1918 für fünf Millionen Reichsmark erweitert, im Laufe der 20er Jahre aber als zu eng und veraltet bewertet.


Station 2 ist der Volkspark Marienberg, zu erreichen mit der U2 bis Nordostbahnhof, dann weiter mit der Buslinie 45 (Richtung Thon) bis „Schopenhauerstraße“. Von hier aus dann zu Fuß zum „Kurzen Stieg“. Unweit des heutigen Marienparks wurde im August 1933 ein neuer Flughafen für den internationalen Flugverkehr angelegt, der im Zweiten Weltkrieg allerdings vollständig zerstört wurde. 

Station 3 ist der 1955 eröffnete Airport Nürnberg, zu erreichen mit der U2 Richtung „Flughafen“. Hier endet die spannende Zeitreise durch die Nürnberger Fluggeschichte.

Concorde


"Ein sagenhaftes Erlebnis, das ich nie vergessen werde", schwärmt Kurt Pallin noch heute von jenem denkwürdigen 19. Juli 1986, als die legendäre Concorde erstmals am internationalen Airport Nürnberg landete.

Als damaliger Direktor der Amtlichen Bayerischen Reisebüros (ABR) in Nürnberg hatte der heute 79-Jährige den Besuch des fliegenden Technikwunders organisiert.

Die Fliegerei hatte den Weltenbummler, der für das Reisebüro seiner Frau noch heute Kulturreisen organisiert, schon immer interessiert: "Durch meinen Beruf hatte ich ja die Gelegenheit, jedes neu auf den Markt kommende Flugzeug zu erleben." Darunter waren viele beeindruckende Maschinen. Das alles war aber nichts gegen die Concorde, der mit über zweifacher Schallgeschwindigkeit reisende Rekordhalterin. Beim Besuch einer Delegation der französischen Fluglinie Air France fädelte Pallin die Sache schließlich ein. Flughafengeschäftsführung und Regierung machten den Weg für alle nötigen Genehmigungen frei.

Und dann war es soweit: Nachdem eine 100-köpfige Nürnberger Reisegruppe drei schöne Tage in Paris verlebt hatte, stiegen sie in den pfeilförmigen Vogel, um in Richtung Nürnberg zu starten. Pallins Eindruck: "Sehr komfortabel, aber eng." Die Concorde war nur in gebückter Haltung zu durchschreiten.

Bei der Landung in Nürnberg säumten 32.000 Schaulustige das Rollfeld. Blitzlichter flackerten auf, die Leute klatschten spontan Beifall. Mit einer anderen Reisegruppe an Bord hob die Flugzeuglegende dann mit ohrenbetäubendem Lärm in einer Gischt aus aufgewirbeltem Regen wieder ab. "Das ging so schnell, dass wir alle ein bisschen enttäuscht waren", erinnert sich Pallin. Doch nach einem großen Bogen steuerte der Wundervogel noch einmal den Airport Nürnberg an. In niedriger Flughöhe donnerte er an den begeisterten Zaungästen vorbei.

"Beschwerden wegen des Lärms", sagt Pallin schmunzelnd, "gab es übrigens kaum. Alle waren stolz darauf, dass es gelungen war, die Concorde zu uns nach Nürnberg zu holen."