Zurück zur Übersicht

Was passiert beim Fliegen?

Mathias Gnida -

Auf 100 der häufigsten Fragen zum Thema Fliegen gibt der ehemalige Pilot und heutige Flugangstcoach Mathias Gnida in seinem Buch "Was passiert beim Fliegen?" vom Motorbuch Verlag kompetent Auskunft. 

Hier eine kleine Auswahl spannender Fragen:


Welche Staatsbürgerschaft hat ein Baby, das an Bord eines Flugzeugs zur Welt kommt?

Laut deutschem Staatsangehörigkeitsgesetz bekommt das Kind die deutsche Staatsbürgerschaft, wenn wenigstens ein Elternteil ebenfalls die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt. Doch was ist mit den anderen Fällen? Sollte die Geburt über einem Gebiet erfolgen, dem keine Nation zugeordnet ist, greift eine UN-Konvention und das Kind würde die Staatsbürgerschaft bekommen, in dessen Land das Flugzeug registriert ist. Doch was ist mit einer Geburt über ausländischem Hoheitsgebiet? Dieser Fall zieht zwei Fragen nach sich, die klären müssen, ob in diesem Land territoriales Hoheitsrecht mit Geburtsortprinzip gilt oder das Abstammungsrecht greift. Meistens greift die erste Variante und somit wäre das Recht eines Staates, in dessen Luftraum sich das Flugzeug aufhält, maßgeblich für die Bestimmung der Staatsbürgerschaft.


Warum werden eigentlich nur unsere Koffer gewogen, wir aber nicht?

Das Gewicht der Passagiere wird geschätzt. In Europa gibt die europäische Luftfahrtbehörde EASA derzeit folgende Gewichte vor, bei Flugzeugen mit mehr als 30 Sitzplätzen:

  • jeder erwachsene Passagier 84 kg
  • jedes Kind 35 kg

Diese Gewichte entsprachen nach einer Untersuchung dem guten Durchschnitt. Und warum wird jetzt nicht jeder Passagier gewogen? Das hat viele Gründe! Von Datenschutz über Privatsphäre bis hin zur Diskriminierung. Tatsächlich haben einige Länder in den vergangenen Jahren die Durchschnittsgewichte angehoben, da das Gewicht des Einzelnen dem Wohlstand des Landes Tribut zollte... 

Dennoch und wie bei allem in der Luftfahrt geht Sicherheit über alles! Daher hat man auch bei der Gewichts- und Schwerpunktberechnung einige Toleranzen berücksichtigt, so dass man auch bei einer Passagiergewichtsschätzung beruhigt und sicher rechnen und fliegen kann.


Was tun die Piloten, wenn ich sie vorm Start ums Flugzeug gehen sehe?

Der Pilot vollzieht den vorgeschriebenen Walk Around oder Outside Check. Obgleich ein Pilot kein ausgebildeter Techniker ist, überprüft er den offensichtlichen Zustand des Flugzeuges. Denn auch als Laie erkennt er Beschädigungen wie Dellen, Leckagen oder Ähnliches. Er checkt den Zustand der Reifen und Bremsen. Er kontrolliert, dass keine Öffnungen verstopft sind oder bewegliche Anbauteile blockiert werden. Er kontrolliert unter anderem, dass ausreichend Sauerstoff an Bord zur Verfügung steht, die Navigationslichter funktionieren oder die Triebwerksein- und Auslässe frei von Beschädigungen sind. Befindet der Pilot das Flugzeug in einem ordnungsgemäßen Zustand, bestätigt er dies durch seine Unterschrift.


Warum wird für Start und Landung in der Kabine das Licht ausgeschaltet?

Sollte es zu einem Zwischenfall kommen und das Flugzeug müsste evakuiert werden, ist es von hoher Relevanz, dass die Lichtverhältnisse in der Kabine denen der Außenumgebung ähneln. Warum? Weil unsere Augen länger brauchen, sich von Licht an Dunkelheit zu gewöhnen als umgekehrt. Wäre es draußen dunkel und in der Kabine taghell, verlieren die Passagiere wertvolle Minuten, um sich detailliert sehend außerhalb des Flugzeuges orientieren zu können. 


Wo ist der sicherste Platz im Flugzeug?

Bemüht man Statistiken, kommt man je nach Statistik und Quelle zu widersprüchlichen Aussagen. Die renommierte Universität Greenwich beispielsweise ermittelte 2008 bei einer Auswertung von 105 Flugunfällen sowie einer Befragung von 2000 Betroffenen (ja, Betroffene, denn Absturz heißt mitnichten gleich Tod), dass die Überlebens-Wahrscheinlichkeit bei einem Platz im vorderen Bereich des Flugzeugs höher ist, als im hinteren. Das Wissenschaftsmagazin "Popular Mechanics" hingegen kommt zu einem umgekehrten Ergebnis. Sie untersuchten alle Flugzeugunglücke seit dem Jahr 1971 in den USA und fanden heraus, dass der hintere Teil am sichersten ist. Ja was denn nun? Grundsätzlich kann man festhalten: Ausnahmslos alle Plätze an Bord eines Flugzeuges sind gleich sicher! Der eine oder andere mag es als Vorteil empfinden, nahe an einem Notausgang zu sitzen, doch Flugunfälle sind dermaßen komplex und verschieden, dass man keine Regel zur Definition des sichersten Platzes heranziehen kann.


Was hat es eigentlich mit dem Tomatensaft an Bord auf sich?

Es gibt verschiedenste Erklärversuche, warum Tomatensaft an Bord so beliebt ist. Liegt es am Hype? Dem Nachahmungseffekt? Weil es zum "guten Ton" gehört? Nein! Es ist der niedrige Luftdruck. Das Fraunhofer Institut hat herausgefunden, dass bei einem niedrigen Luftdruck die sogenannte Geruchs- und Geschmacksschwelle steigt. Das kennt man von Erkältungen. Die Nase ist zu und man schmeckt kaum noch etwas. Ähnlich ist es hier. Gewürze, Salz oder Zucker müssen in höherem Anteil in Speisen oder Getränken vorhanden sein, damit man sie an Bord schmecken kann. 

Der sonst so fadige Tomatensaft blüht in luftiger Höhe förmlich auf, da er von uns Menschen als erfrischend und wohlriechend wahrgenommen wird. Nehmen wir jetzt noch Salz & Pfeffer dazu, schweben wir im siebten Tomatenhimmel!


Sind alte Flugzeuge genauso sicher wie junge?

Natürlich sind alte Flugzeuge genauso sicher wie junge moderne Flugzeuge. Manche Kontrollierintervalle verkürzen sich mit dem Flugzeugalter, sodass diese Flugzeuge öfter gewartet werden müssen als moderne Flieger. Sicherlich bieten moderne Verkehrsflugzeuge moderne Technik, aber mit der richtigen Pflege, den korrekten Wartungsintervallen und Checkzyklen, fliegt ein altes Flugzeug genauso sicher und zuverlässig wie ein junges.


Gewinnspiel zum Thema

Buch "Was passiert beim Fliegen?" gewinnen

100 Fragen und 100 Antworten für Passagiere hat der ehemalige Pilot Mathias Gnida über das Fliegen zusammengetragen. Wir verlosen 3x1 Exemplar des Taschenbuchs. Jetzt am Gewinnspiel teilnehmen!

zum Gewinnspiel