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Fuerteventura im Winter - Agaven statt Weihnachtsbäume

Sophie Förster -

Die Kanarischen Inseln sind eines der beliebtesten Reiseziele im Winter. Teneriffa, Gran Canaria, Lanzarote und Fuerteventura könnten unterschiedlicher nicht sein, doch eins ist allen gemein: Das milde Klima mit heißen Temperaturen und angenehmen Afrikawinden.


Fuerteventura - "starker Wind"

A propos Wind: Dann stelle ich doch gleich die windigste der vier Inseln vor, bei der der Name Programm ist – Fuerteventura. Denn hier fegt der Wind mit bis zu 25km/h über die Insel. Die ausbleibende Kälte und die wenigen Regentage zeichnen sich auch in der Landschaft ab, denn das Bild der Insel wird vor allem von steinigen Wüsten beherrscht. Wer das Grüne sucht, sucht vergebens, denn zwischen den Städten gibt es hauptsächlich Brachland und jede Menge Ziegen. Doch die mondähnliche Landschaft ist auch ein seltener Anblick und daher umso beeindruckender.



Where is the place to be?

In knapp vier Stunden kann man von Nürnberg nach Fuerteventura fliegen. Nach der Ankunft heißt es - ab ins Hotel, Mietwagen schnappen und Insel erkunden!

Die Insel ist sehr gegensätzlich und vielseitig, doch wo ist es am schönsten?


Der karibische Süden

Jandía

Die Insel lässt sich leicht in kurzer Zeit komplett erkunden. Wir starteten im Süden in Jandía. Eine wunderschöne Urlaubsgegend zwischen den Bergen direkt am Meer mit weißem Sand und kristallklarem, türkisen Wasser. Durch die Gezeiten ist das Wasser sehr flach, aber Achtung: Wer zu nah am Wasser liegt, könnte von der Flut überrascht werden.

Morro Jable

Der nächstgrößere Ort ist Morro Jable, wo es ein paar kleine Geschäfte und Restaurants und vor allem Live-Bands in einer Bar direkt am Strand gibt. Das sollte man sich mit einem Tinto de Verrano (Rotwein mit Zitronenlimonade) oder einen Sangria in der Hand nicht entgehen lassen. Von dort aus kann man weiter an die Costa Calma fahren, die sich auch ideal zum Surfen, Sonnenbaden und Erholen eignet.




Der felsige Westen

Fischerdorf Ajuy

Die Besonderheit hier ist der schwarze Sand, wie zum Beispiel am Playa de los Muertos (Strand der Toten) im Fischerdorf Ajuy. Früher war dieser Strand Schauplatz von blutigen Piratenangriffen und auch heute ist es zu gefährlich hier baden zu gehen, da die Strömung einen reißenden Strudel in der Mitte der Bucht bildet. Von hier kann man jedoch eine kleine Wanderung an der Küste entlang der Felsen machen. Besonders schön ist zu sehen, wie das Meer durch Ebbe und Flut in den vergangenen Jahren mehrere Felsschichten abgetragen und sich als Relief abgezeichnet hat. Früher bestand die Fuerteventura zum Großteil aus Vulkanen, die aber heute nicht mehr aktiv sind.

Pájara

Weiter geht es nach Pájara. Ebenfalls ein kleines niedliches Dörfchen mit einer ganz besonderen Kirche. Die Iglesia de Nuestra Señora de Regla ist eine katholische Kirche, die jedoch nicht wie eine aussieht. Sie wird vor allem von aztekischen Symbolen wie Sonnenzeichen, Schlangen, Puma- und Indianerköpfen geziert und ist mit blauen und gelben Farbflechten bemalt.


Die nostalgische Mitte

Betancuria

Das kleine Dorf, das mit knapp 730 Einwohnern die bevölkerungsärmste Gemeinde der Insel darstellt, ist gleichzeitig der historisch bedeutendste und vor allem schönste Ort. Besonders sehenswert ist das Casa Museo de Betancuria – das ist ein kleines Heimatmuseum mit einem urigen Kino und einem regionalen Shop, in dem man sich durch verschiedenste Marmeladen aus Kakteen, Maulbeeren oder Tomaten sowie die berühmte scharfe Morro Rojo Sauce probieren kann. Außerdem ist die Insel bekannt für ihr hohes Aloe Vera Vorkommen. Aloe Vera ist bekanntermaßen ein Allheilmittel für viele Hautbeschwerden und Alterserscheinungen. Auf dem Platz vor der schönen Santa Maria Kirche spielt ein Musiker Gitarre und ein älterer Herr röstet gemeinsam mit seiner Frau Mandeln und andere Nüsse. Es wirkt als wäre die Zeit hier stehen geblieben!


Der kulinarische Osten

Puerto del Rosario

Die Fahrt führt weiter durch die steinige Wüstenlandschaft vorbei an Puerto de Cabras (Ziegenhafen), der heutigen Hauptstadt Puerto del Rosario (Hafen des Rosenkranzes). Dabei handelt es sich auch um die größte Stadt mit knapp 40.000 Einwohnern. Die Stadt bietet einige Hotels und Lokale, ist jedoch sehr touristisch und daher nicht besonders sehenswert. Da die Stadt aber auf dem Weg in Richtung Norden liegt, kann durchaus ein kleiner Stopp eingelegt werden, um sich in einem Restaurant eine kulinarische Pause zu gönnen, denn die Küche Fuerteventuras ist zwar auf die Gegebenheiten der Insel beschränkt, aber sehr gesund und vor allem lecker. Durch die vielen Ziegen auf der Insel sind vor allem Ziegenfleisch und Ziegenkäse beliebte Zutaten. Außerdem findet man hier gegrillten Fisch sowie butterweiche Calamari, die mit den berühmten runzligen Salzkartoffeln und einer scharfen Morro Rojo Sauce serviert werden. Zum Nachtisch sollte man unbedingt einen Gofio de miel (Honig-Gofio) bestellen. Dieses Dessert ist eine Art Pudding und besteht aus Honig, gemahlenen Nüssen und dem typischen Gofio-Mehl. Dazu wird oftmals ein feiner Likör oder Rum verköstigt.


Der unerwartete Norden

Corralejo

Letzter Halt ist Corralejo im Norden der Insel. Corralejo hat alles für einen schönen Urlaub zu bieten. Es gibt sehr viele Bars und Restaurants, Geschäfte und Unterkünfte, aber auch einen fantastischen Strand, perfekt zum Kite- und Windsurfen sowie zum Baden. Der Urlaubsort befindet sich direkt an einem geschützten Naturreservat. Dieses Reservat besteht aus weiten Sanddünen aus feinstem Muschelsand, die ein Gefühl absoluter Ruhe abseits des Tourismus liefern. Ein atemberaubender Anblick!

In Corralejo gibt es viele Fährenverbindungen auf die kanarische Nachbarinsel Lanzarote sowie auf die kleine Insel Isla de Lobos (Robbeninsel). Diese ist zwar nicht bewohnt, aber hält schöne Strände bereit. Aber auch der Weg mit dem Boot ist schon ein Erlebnis wert. Mit etwas Glück entdeckt man Fische, Hammerhaie oder sogar Delfine.


Local Facts

Es empfiehlt sich immer auf seiner Erkundungstour mit Locals zu sprechen. Aus meiner Erfahrung erzählen sie sehr gern von den Vorzügen ihrer Heimat. Denn auch wenn die Kanaren zu Spanien gehören, sind sie doch ganz eigen. Die Insel Fuerteventura lebt beispielsweise ganz autonom. Außerdem hat die Insel sehr gute Voraussetzungen für eine hohe Lebensqualität. Da es keine Industrieverschmutzungen gibt, ist die Luft extrem sauber. Das erklärt den Großteil der Fläche zum Bioreservat. Also ganz egal was man an Lebensmitteln auf der Insel kauft – es ist Bio. 


Es sei denn es ist ganz eindeutig als Importprodukt gekennzeichnet, denn Fuerteventura importiert so einiges - auch Trinkwasser.

Denn wie bereits erwähnt, gibt es keine Wasservorkommen mehr auf der Insel. Alle Seen, Flüsse und andere Wasserquellen sind ausgetrocknet. Um fließendes Wasser im Haushalt nutzen zu können, wird das salzige Meerwasser in speziellen Anlagen aufbereitet. Diese gesunde und autonome Lebensweise wird für immer mehr Europäer zum Anlass auf die schöne Wüsteninsel auszuwandern. Rund 70 Prozent der Einwohner sind Spanier, der Rest Ausländer. Allein vier Prozent sind deutsche Zuwanderer. Dabei vermissen sie nichts, außer vielleicht den Weihnachtsbaum in der Weihnachtszeit, denn Nadelbäume und Weihnachtsfeeling sucht man bei 30 Grad vergebens. Aber die Canarios wissen sich zu helfen und nutzen stattdessen die Blüten der Agavenpflanzen, um ihr ganz eigenes Weihnachten zu feiern. In diesem Sinne: Feliz Navidad!

Fazit

Die Insel überzeugt vielleicht erst auf den zweiten Blick, dafür aber umso mehr. Schnell lässt man sich von der Lebensweise der Canarios mitreißen und überzeugen. Jeder Reisende muss für sich wissen, was er in seinem Urlaub machen möchte - egal ob wandern, erholen, surfen, sonnen - um den richtigen Fleck auf der Insel für sich zu finden. Wenn man von allem ein bisschen haben möchte, ist Fuerteventura perfekt geeignet und bietet vor allem im Winter ein warmes Fleckchen!