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Ein Tag als Schlepperfahrerin am Flughafen

Luca Eberhardt -

Für ein entspanntes Abheben aller Passagiere am Flughafen sorgt die Flugzeugabfertigung (Ramp Services). Ein Teil davon ist die Gepäcksortierung. Helga Schmid ist mit 55 Jahren als erste Frau am Airport Nürnberg in diesen Beruf eingestiegen. Zusätzlich zur Gepäcksortierung ist sie auch als Gepäckschlepperfahrerin im Einsatz. Wir haben sie bei einer ihrer Schichten begleitet.

1. Gepäckstücke scannen

Mit dem BRS (Baggage Reconciliation System) wird jedes Gepäckstück einzeln verfolgt beziehungsweise getrackt. Eine genaue Aufteilung ist wichtig: Während der Sortierung für das abgehende Gepäck muss innerhalb einzelner Abflüge zwischen mehreren Kategorien unterschieden werden. Dass Helga dabei als einzige Frau mit 49 Männern zusammenarbeitet, stört sie nicht. Sie wurde von allen Kollegen herzlich aufgenommen und stets höflich behandelt, wie sie betont.


2. Gepäcktransport zum Flugzeug

Als Schlepperfahrerin sorgt sie dafür, dass das Gepäck rechtzeitig am Flieger ist, damit die sogenannten Loader diesen beladen können. Sie stellt auch leere Wägen bereit und bringt die ankommenden Koffer und Taschen zur Gepäckausgabe. Maximal vier Kofferwagen dürfen pro Fahrt gleichzeitig geschleppt werden. Hier ist vor allem vorausschauendes Denken wichtig. „Gerade als Schlepperfahrerin ist jeder Tag anders“, sagt Helga, der die Abwechslung gefällt.



3. Balance halten

Helgas Arbeit ist umfangreich, sie trägt viel Verantwortung. So muss beispielsweise das Gewicht im Flugzeug vor dem Start richtig verteilt sein. Hier sind Helgas Kollegen auf ihr Auffassungsvermögen angewiesen. Sie selbst muss die Anordnung des Gepäcks genau beachten. Helga kann ihren linken Arm zwar nur zu 70 Prozent nutzen, doch schränkt sie dieses Handicap kaum ein.

4. Man lernt nie aus

Helga hält bereits Ausschau nach weiteren Herausforderungen: Sie möchte eine Fortbildung machen, um in der Klärstelle zu arbeiten. Das ist der Teil der Gepäcksortierung, der sich zum Beispiel um Koffer kümmert, deren Barcode nicht maschinell eingelesen werden kann.  Diese Koffer werden dann schnellstmöglich zum richtigen Passagier ins richtige Flugzeug transportiert. Auch eine Frachteinweisung steht Helga noch bevor. Sie ist froh, dass sie mit ihren inzwischen 56 Jahren fest im Beruf steht und mit ihrer Arbeit am Airport Nürnberg sehr zufrieden.


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Matthias Reubel, Leiter Gepäckdienst, gibt die Antwort: „Unsere Operations-Abteilung erstellt für jeden Flug ein Weight and Balance Sheet: Mittels einer Software wird das sogenannte Trimming berechnet, um sicherzustellen, dass die Gewichtsverteilung an Bord den Vorgaben der Airlines entspricht und möglichst effizient ist. Je nach Anzahl der Passagiere und Verteilung von Gepäck und Fracht in den Laderäumen kann es nötig sein, Ungleichgewichte durch die Zuladung von Säcken auszugleichen. Diese Säcke sind nach Vorgaben des Dachverbandes der Fluggesellschaften IATA genormt, wiegen 25 Kilo und tragen den Dreilettercode des jeweiligen Flughafens, bei uns also NUE. Gefüllt sind sie übrigens nicht mit Sand, sondern kleinen Kieseln, da austretender Sand im Laderaum die Systeme beeinträchtigen könnte.“


Benötigte Qualifikationen in der Gepäcksortierung

  • Teamfähigkeit
  • Auffassungsvermögen
  • Zuverlässigkeit
  • Pünktlichkeit und vorausschauendes Denken
  • Bereitschaft zum Schichtdienst in Wechselschichten

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