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Amsterdams Grachten hautnah erleben

Michael Müller Verlag - Diana Stănescu -

Tretboot-Tour auf den schönsten Kanälen

Sogar auf dem Wasser tritt man in Amsterdam in die Pedale! Eine Grachtenfahrt gehört zu Amsterdam wie der Eiffelturm zu Paris. Die großen und kleinen Ausflugsboote, offen oder verglast, sind die klassische Möglichkeit, die Stadt vom Wasser aus zu erleben. Ein Tretboot ist eine witzige Alternative. Ich buche im Internet eine einstündige Fahrt – eine Stunde ist die Mindestzeit und sollte meinen Oberschenkeln für den Anfang reichen. Auf dem Tretboot-Parkplatz an der vornehmen Prinsengracht hinter der Westerkerk stehen die Boote in Reih und Glied. Die Sonne strahlt, der Himmel leuchtet blau. Ich habe eine Freundin als Verstärkung mitgebracht, und wir freuen uns auf eine Stunde auf dem Wasser. Wir melden uns bei der Verleihstation am Ufer, erhalten einen Stadtplan und wichtige Anweisungen: immer schön rechts fahren und große Boote vorbeilassen!

Amsterdams Grachten im Frühling.

Tretboot-Verleih

Wo?

Wann?

  • Täglich, man bucht nur den Tag, die Abfahrtszeit ist frei
  • Ab 10 Uhr, letzte Abfahrt um 16.30 Uhr
  • stromma.com

Wie lange?

  • 1 bis 1,5 Stunden

Wie viel?

  • Bei Online-Buchung 9 Euro pro Person für 60 Minuten
  • Bei Vor-Ort Buchung 10 Euro pro Person für 60 Minuten
  • Kaution: 20 Euro pro Tretboot

Die Grachten sind Einbahnstraßen, schärft uns der Mann am Verleih ein, wir können also nicht einfach irgendwo umkehren. Er zeichnet uns die Route für eine Stunde in den Stadtplan – und eine kleine Abkürzungsmöglichkeit. Wir besteigen unser Tretboot, müssen alleine die Seile vom Ufer lösen und meistern die Aufgabe, ohne einen Spagat zwischen Boot und Ufer hinzulegen. Läuft! Wir steuern beherzt nach rechts, aber große Boote fahren vorbei, und auf dem unruhigen Wasser ist das Steuern nicht ganz so einfach. Wir schaffen es bis unter die schmale rechte Durchfahrt der ersten Brücke – dann schlägt das Tretboot an die Steinmauer, stellt sich quer und... wir hängen fest. Das nächste Tretboot ist schon im Anmarsch, also rückwärts treten, lenken, vorwärts, rückwärts – geschafft! Nach ein paar Minuten haben wir alles im Griff, und der Genuss beginnt. 

Der abendliche Ausblick vom Wasser.

Die Sonne lässt das Wasser funkeln, und diese traumhaft schöne Stadt zieht langsam an uns vorbei. Die Grachtenhäuser mit ihren reich verzierten Giebeln, das Hellgrün der Bäume, die Menschen an den Cafétischen im Freien, die Hausboote, die die Kanäle am berühmten Grachtengürtel säumen. Vieles sieht man vom Wasser aus noch besser: zum Beispiel, wie schief die Fassaden mancher historischer Grachtenhäuser sind! Dass sie sich nach vorne neigen, hatte einen guten Grund: So konnten Lasten hochgezogen werden, ohne dass sie gegen die Fassade schlugen. An manchen Giebeln erkennt man einen vorstehenden Balken, an dem der Flaschenzug angebracht wurde. Denn in den Häusern konnte man sperrige Gegenstände auf den steilen Treppen nicht transportieren. Auch auf dem Wasser sehen wir kleine verborgene Dinge, die wir sonst nicht wahrnehmen würden: Eine Vogelmama paddelt mit ihren flauschigen braunen Küken an uns vorbei, ein anderer Vogel hat sich ein gemütliches Nest in einem Holzboot gebaut. Vor lauter Schauen vergessen wir beinahe, im Blick zu behalten, wo wir jeweils abbiegen müssen, um unserem Rundkurs zu folgen. 


Am Leidseplein fahren wir zurück, und nach gut einer Stunde sind wir wieder an der Verleihstation. Beim Aussteigen fühlen sich unsere Oberschenkel ein bisschen schwer an – aber wir sind um ein intensives Erlebnis reicher!

Mehr dazu im Reiseführer »Amsterdam - Stadtabenteuer«

Wenn man schon mal hier ist

Da man die Tretboot-Tour genau hinter der Westerkerk startet, bietet sich ein Besuch der Kirche an. Vor der Kirche, an der Keizersgracht, steht das Homomonument. Es besteht aus rosa Granit-Dreiecken, die Bezug nehmen auf den Rosa Winkel – das Stofftuch, das sich homosexuelle KZ-Häftlinge an die Kleidung heften mussten.

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